Oregano und Majoran sind als Küchenkräuter bekannt, doch nur
wenige wissen, dass es auch eine wildwachsende Art bei uns gibt: den Dost. Wenn wir nun auf nicht gemähte Wiesen gehen, werden wir ihn dort finden, wo sich viele Schmetterlinge und Bienen aufhalten, sie lieben seinen Nektar. Mit seinen rötlich-rosa Blüten fällt er schon von weitem auf.
Da seine eigentliche Heimat der Mittelmeerraum ist, wächst die Pflanze bevorzugt auf mageren, trockenen Böden. Sie siedelt sich auch gerne im Garten an und verbreitet sich dort.
Im Mittelalter war Dost unter den Namen Dorant, Dosten oder Wohlgemut bekannt. Er enthält viele ätherische Öle, die ihn so appetitlich riechen lassen und lässt sich gut für Sträuße verwenden, auch trockene. Sein Duft trägt zur guten Laune bei. Früher mischte man Dost unter das Essen, um schwer arbeitende Menschen bei Laune zu halten, denn fröhliche Menschen arbeiten bereitwilliger und schneller.
Hexen sollte er abwehrend und so hat er auch einen festen Platz im Kräuterbüschel, der im August geweiht wird. Hebammen, Bräute und auch Neugeborene trugen Dost als Amulett bei sich.
Diese Bräuche sind gar nicht so abwegig, denn ätherische Öle wirken antiseptisch. Früher glaubte man, Krankheiten kämen durch Verhexungen. Weiterhin regt Dost den Stoffwechsel an, vertreibt Blähungen, ist schleimlösend, auswurffördernd und appetitanregend. Am ehesten verwendet man den Tee bei Husten und Entzündungen im Mund- und Rachenraum.
Aber was wäre eine Pizza ohne unseren Oregano? Wurst, Fleisch, Soßen, Gemüse, vor allem Tomaten, Fisch, Kartoffeln und sogar Fruchtsalate erhalten durch Dost ein besonderes Aroma. Zum Trocknen erntet man die Pflanze am besten gerade erblühend, trocken und zur Mittagszeit. Dann ist der Geschmack am besten. Es eignet sich ein schattiger, luftiger Platz, evtl. eine Scheune oder Dachboden. Danach abrebeln und in fest verschließbaren, lichtundurchlässigen Behältern lagern.
Juli 10: Stinkender Storchschnabel - Ruprechtskraut (Geranium robertianum)
Schwermütige Menschen werden wieder froh und heiter, wenn sie ihn
nur liebevoll anschauen, so sagt ein alter Glaube. Diese Pflanze hat viele Namen und zeigt damit ihre Bedeutung, zumindest ihn früheren Zeiten, auf: „Ruprechtskraut“ heißt es, weil es dem heiligen Ruprecht geweiht ist und „Gottesgnadenkraut“, weil seine Wirkung so vielfältig ist. „Storchschnabel“ lässt sich leicht ableiten von der Form seiner Früchte; diese springen bei Reife auf und schleudern die Samen bis über drei Meter durch die Luft. Gerne wächst es in unseren Gärten, wo es durchaus eine Zierde sein kann. Es bevorzugt dabei schattige Ecken, nährstoffreichen Boden, aber auch felsigen Untergrund und sogar Mauern. Die schönen rosafarbenen Blüten haben helle Streifen und sitzen meist paarweise am Ende der Stiele. Diese sind oft rot überlaufen, so wie die Blätter im Herbst sich auch rot färben können. Daraus schloß man in der sogenannten Sympathiemedizin, dass das Ruprechtskraut bei allen Krankheiten hilft, die mit Blut zu tun haben. Der Gehalt an Gerbstoffen bekräftigt diese Vermutung. In der Volksheilkunde wird der Storchschnabel verwendet bei Nasenbluten, Menstruationsstörungen, Hämorrhoiden, aber auch Halsschmerzen, Zahnfleischentzündungen und Durchfall.
Weitere Inhaltsstoffe sind Bitterstoffe und vor allem ätherisches Öl, was der Pflanze ihren charakteristischen Duft verleiht. Den nutzte man in früheren Zeiten zum Beispiel um Motten zu vertreiben. Aber kann man diesen Geruch als stinkend bezeichnen?
Manche dürfte auch die Anwendung des Ruprechtskrautes bei unerfülltem Kinderwunsch interessieren. Wie wir alle wissen, bringt ja der Storch die Kinder ...
Juni 10: Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense)
Wer ihn hat, wird ihn nicht mehr los. Seine Verbreitung erfolgt über
einen reich verzweigten Wurzelstock, der bis zu zwei Meter tief im Boden liegt. Wie beim Huflattich erscheinen erst die sporentragenden Frühjahrstriebe, die blass-bräunlich einem Pilz ähnlich sehen. Erst danach wachsen grüne Sommertriebe, die aussehen wie kleine, feingliedrige Tannenbäumchen. In Urzeiten gab es nur diese Art von Pflanzen, die keine Blüten trugen, so auch Farne und Moose. Wichtig ist, ihn nicht mit anderen, giftigen Arten zu verwechseln, eine Unterscheidung kann sehr schwierig sein.
Sein Aussehen trug dazu bei, dass er früher als Aphrodisiakum genutzt wurde. Wegen der ineinander geschachtelten Glieder schloss man auf eine Stärkung der „inneren Glieder“. Seine positiven Wirkungen auf Haut und Haar gab sicher ein übriges.
Schachtelhalm fühlt sich hart und rau an und enthält sehr viel Kieselsäure. Das verlieh ihm früher den Namen Zinnkraut, denn damit putzte und polierte man vor allem Zinngeschirr, Aluminium, Kupfer und sogar Holz. Aber auch für die Gesundheit ist Kieselsäure nützlich, sie wirkt gewebefestigend und blutstillend. Weitere Anwendungsgebiete von Ackerschachtelhalm in Tees sind chronischer Husten, Nieren- und Blasenerkrankungen und stoffwechselbedingte Schwellung der Beine. Verwendet wird immer nur der unfruchtbare grüne Trieb.
Im Garten und der Landwirtschaft gilt er als kaum zu vernichtendes Unkraut und weist auf Bodenverdichtung und mangelnden Humus hin. Dafür wird aber gerne ein Kaltwasserauszug von ihm verwendet, der als Stärkungsmittel für Pflanzen dient und zum Beispiel gegen Mehltau hilft.
Mai 10: Waldmeister (Galium odoratum)
Bevor das Laub der Buchen sich zu einem dichten Blätterdach schließt, gibt es auf dem Waldboden eine beachtlich große Anzahl an Kräutern zu finden. Eines davon, das jetzt Hochsaison hat, lässt sich im Garten vor allem an schattigen Plätzen, z.B. unter Hecken, ansiedeln: der Waldmeister. Hat er den passenden Platz gefunden, breitet er sich über unterirdische Ausläufer mühelos aus. Ernten ist bis in die Blütezeit hinein möglich und es ist ratsam, eine Schere zu verwenden, damit man den Bestand für die folgenden Jahre erhalten kann.
Dieses duftende Labkraut enthält als Hauptwirkstoff Cumarin, das erst durch das Welken der Blätter hervortritt. Dieser Stoff ist auch in anderen Pflanzen vorhanden und verantwortlich für den typischen Heuduft. Man sagt diesem Geruch nach, dass er Frohsinn und Herzlichkeit verbreiten soll, das bezeugen verschiedene alte Sitten. Als Teil des Mariae Bettstroh wurde Waldmeister in Kissen gestopft, um Schwangeren die Geburt zu erleichtern und Wöchnerinnen und Babys vor schlechten Einflüssen zu schützen. Weiterhin hält das Maikraut in Kleiderduftsäckchen Motten fern und erfreut unsere Nasen. Und wer könnte sich eine fröhliche Maifeier ohne die berühmte Bowle vorstellen?
In der Volksheilkunde gilt Waldmeister als Wundheil-, Beruhigungs- und Schlafmittel, er hilft als Wickel bei Leberbeschwerden und Migräne. Die moderne Medizin verwendet Präparate mit Cumarin zur Prophylaxe vor Thrombosen, da sie die Gerinnbarkeit des Blutes herabsetzen.
Cumarin kann im Übermaß genossen zu Schwindel, Kopfschmerzen und Übelkeit führen, eine Dosierung von ca. 10 Stängeln (entspricht 3 g) pro Liter Flüssigkeit sollte keine Beschwerden hervorrufen. Manchmal liegt der Grund dafür auch eher im Alkoholgehalt der Maibowle, die traditionell mit Waldmeister aromatisiert wird. Die grüne Farbe des Waldmeistersirups ist übrigens verursacht durch Farbstoffe und enthält keine echte Pflanze, sondern nur Aroma. Für eine selbst hergestellte alkohol- und zuckerfreie Variante empfiehlt sich folgendes Rezept: 10 Stängel Waldmeister über Nacht anwelken lassen, morgens in einen Liter Apfelsaft hängen und ca. drei Stunden ziehen lassen. Anschließend nach Belieben mit einem Spritzer Zitronensaft und Mineralwasser auffüllen.
April 10: Löwenzahn(Taraxacum officinale)
Wem geht an einem blühenden Löwenzahnfeld nicht das Herz auf?
Die Sonne spiegelt sich geradezu in den gelben Blütenköpfen und lässt wissen, dass nun endlich der Frühling da ist. Löwenzahn begleitet die Menschen, denn er wächst gerne auf überdüngtem Boden und macht sich sogar zwischen Pflastersteinen breit. Im Garten werden ihn die meisten wohl nicht haben wollen, denn spätestens wenn die kleinen Schirmchen der Pusteblume fliegen, wissen wir, dass es bald noch viel mehr Löwenzahn gibt. Mit seinen langen festen Wurzeln ist ihm nicht so leicht beizukommen. Will man ihn ohne Gift entfernen, bleibt nur noch, ihn auf Knien auszustechen und darauf zu achten, dass er nicht zum Blühen kommt. Im besten Fall wird er gerne als Hasenfutter verwendet und dient als Bienenweide.
Doch nicht umsonst wurde ihm schon eine bekannte Kindersendung gewidmet. Gerade Kinder lieben ihn als Orakelpflanze und basteln Schmuck daraus. Der Milchsaft des Löwenzahns kann Flecken auf Haut und Kleidung zurücklassen, weshalb schon manche Eltern warnten, er wäre giftig. Es kann aber höchstens zu leichten Unverträglichkeiten kommen, wenn empfindliche Menschen zuviel von den Stengeln essen.
Dabei gilt der Löwenzahn auch als Heilpflanze. Einige der Wirkstoffe sind Bitterstoffe, Vitamine, Carotine, Inulin. Er ist ein Hauptbestandteil von Frühjahrskuren, denn die Bitterstoffe regen Niere und Leber zu erhöhter Aktivität an und das hat einen positiven Effekt nicht nur für Rheuma- und Gichtkranke. Insgesamt hat er eine entschlackende Wirkung, was ihm unter anderem auch den Namen „Bettseicher“ eingebracht hat. Außerdem fördert er die Durchblutung des Bindegewebes an und stärkt das Wohlbefinden geschwächter Menschen.
In der Küche lässt sich die Pflanze mit den vielen Namen vielfältig verwenden. Bekannt sind die Blätter als Löwenzahnsalat, dafür verwendet man die jungen. Dazu passt ein Senfdressing mit Speckwürfeln und hartgekochten Eiern, eine hervorragende Vorspeise für die Osterzeit.
Aber auch der Rest der Pflanze birgt kulinarische Überraschungen. Die Knospen enthalten weniger Bitterstoffe und lassen sich als Gemüse oder als Kapernersatz verwenden, die Blüten ergeben in Alkohol eingelegt einen leichten Magenbitter oder eingekocht mit Wasser und Zucker einen honigähnlichen Sirup. Selbst die Wurzeln schmecken als Gemüse. Aus diesen wurde in Notzeiten ein kaffeeähnliches Getränk gekocht, das die Franzosen „mocca faux“ nannten, also falschen Kaffee, daraus wurde bei uns der Muckefuck. Also: nicht ärgern – aufessen.
März 10: Huflattich (Tussilago farfara)
Huflattich gilt als Acker-Unkraut und ist eine Pionierpflanze auf
wasserstauenden Lehmböden und Schuttplätzen. Seine Wurzeln reichen tief in den Boden und seine Verbreitung erfolgt zwar auch über seinen pusteblumenähnlichen Fruchtstand, mehr aber durch unterirdische Ausläufer.
Ganz früh im Jahr, wenn der Schnee gerade so verschwunden ist, schieben sich schon die schuppigen Stiele mit ihren sonnigen Blüten aus dem Boden und locken die ersten Insekten an. Er gilt als einer der ältesten Hustenvertreiber und war Heilpflanze des Jahres 1994. Schon zu Beginn unserer Zeitrechnung empfahlen griechische Ärzte, den Rauch der Pflanze einzuatmen, was einen schleimlösenden Effekt haben soll. Manchmal wurde er schon zur Raucherentwöhnung eingesetzt. Heutzutage greift man eher auf Teemischungen zurück, wobei sich die Blätter als wirkungsvoller erweisen als die Blüten. Verwendung findet Huflattich z.B. bei chronischer Bronchitis und weiteren Lungenleiden, sowie in der Volksheilkunde zur Behandlung von Wunden und Entzündungen.
Nie findet man Blüten und Blätter zusammen, letztere erscheinen erst ab ca. Mai, wenn die Pflanze schon gefruchtet hat. Die Blätter des Huflattichs sind unterseits weißfilzig behaart und mögen deshalb vielleicht schon so manchem Wanderer als natürliches Klopapier aus der Not geholfen haben.
Vor ein paar Jahren tauchte der Verdacht auf, dass Huflattich, der Pyrrolizidinalkaloide enthält, ähnlich wie Beinwell oder Borretsch, krebserzeugend und leberschädigend wirken könne. Der Gehalt steigt an, je älter die Blätter sind und je schlechter die Wuchsbedingungen, sprich Trockenheit, Schatten und und Nährstoffmangel, sind. Die Blüten sind weitgehend frei davon. Grundsätzlich sollte eine Behandlung mit Huflattich nur kurmäßig, also höchstens 6 Wochen pro Jahr erfolgen und Schwangeren ist davon abzuraten. Nichtsdestotrotz macht die Dosis das Gift und Huflattich hat schon immer aufgrund seiner Inhaltsstoffe wie Schleim, Flavonoiden, Gerb- und Bitterstoffe als Hustenmittel gegolten und ist auch in der Küche nicht unbekannt. Die Blüten riechen nach Honig und lassen sich zu Sirup, Gelee und als essbare Dekoration verwenden. Die jungen Blätter kann man füllen und als Gemüsezusatz verwenden. Natürlich ist wichtig, wie bei allen anderen Wildkräutern auch, darauf zu achten, von sauberen Plätzen zu sammeln und nur so viel zu ernten, dass die Pflanze ungestört weiter wachsen kann.
Februar 10: Gänseblümchen (Bellis perennis)
Der Botaniker Carl von Linné nannte es mit lateinischem Namen
„Die ausdauernde Schöne“, denn man kann sich selbst im Winter an wärmeren Tagen an ihren Blüten erfreuen, vorausgesetzt die Sonne scheint. Erst dann öffnet es seinen körbchenförmigen Blütenstand.
Für Rasenbesitzer ist es manchmal ein Dorn im Auge, denn der Rasenmäher kann die flach am Boden liegenden Blätter und Knospen nicht erfassen. Auf den regelmäßig gemähten Rasen- und Wiesenstücken fand es übrigens erst die Möglichkeit, sich auszubreiten, da es sonst durch höher wachsende Gräser und Pflanzen zurückgedrängt wird. Vielleicht lassen sich eifrige Gärtner ja damit trösten, dass die Blumen nicht umsonst auch Maßliebchen und Tausendschön genannt werden. Es gibt sie auch in Zuchtformen in Gärtnereien zu kaufen; setzt man diese in das Blumenbeet wandeln sich die Nachkommen wieder zur Ursprungsform zurück. Mädchen mögen es oft gerne, daraus Blumenketten zu binden oder als Orakel „Er liebt mich, er liebt mich nicht“ zu nutzen.
In der Pflanzensymbolik steht das Gänseblümchen für Mutterliebe, da sich die Blütenblätter bei Regen schützend über das Körbchen legen, und auch für Unschuld und ritterliche Liebe. Glück und Gesundheit soll es denjenigen bringen, die die ersten drei Blüten im Frühjahr mit den Lippen abzupfen und verspeisen.
In der Pflanzenheilkunde ist das Gänseblümchen trotz seiner nicht vorhandenen Größe durchaus ein großes Mittel. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe wie z.B. Saponine, Gerbstoffe und Bitterstoffe kann es Verwendung finden als Blutreinigungsmittel, bei Hautausschlägen, Magen- und Lebermittel, Husten und ist auch in der Homöopathie bekannt.
Wenig bekannt ist die Tatsache, dass man Gänseblümchen essen kann, sie sind nicht nur eine schöne Dekoration. Legt man halb geschlossene Blüten auf eine warme Suppe, kann man beobachten, wie sich in Windeseile die Köpfchen öffnen. Nebenbei schmecken sie auch noch ganz gut, leicht nussig, und man kann die Blüten und Blätter in den Salat oder ins Gemüse geben; die Knospen lassen sich zu Kapern verarbeiten.
November 09: Nelkenwurz (Geum urbanum)
Herbst- und Winterzeit bedeutet im Pflanzenreich vor allem
Wurzelzeit. Viele Inhaltsstoffe ziehen sich in den Boden zurück, um dort zu überdauern. Von Pflanzen, die es häufig gibt, also unserem Un-Kraut, können wir nun Wurzeln ernten. Das bietet sich besonders an, wenn wir den Garten aufräumen. Nicht alles muß in die Biotonne.
Ein zumeist unbekannter Genuß ist die Nelkenwurz. Häufig wächst sie in Gärten, aber auch an Waldwegen, Mauern und Hecken und zeigt nährstoffreichen Boden an. Sie ist ziemlich unscheinbar, breitet sich aber gerne aus. Jetzt findet man die Blattrosetten mit relativ großen, rundlichen dreiteilig gefiederten Blättern. Zur Blütezeit sind die Blätter am Stiel kleiner, spitz und wechselständig. Die Blüte selbst kann mit der des Hahnenfußes verwechselt werden, aber spätestens nach der Blüte erkennt man an der Nelkenwurz eine rötliche Klettenfrucht. Das beste Unterscheidungsmerkmal ist die Wurzel, denn die Nelkenwurz hält, was ihr Name verspricht. Aus dem enthaltenen Gein entsteht durch Trocknen das nach Gewürznelke duftende Eugenol.
Dieses wird in der Parfümindustrie für würzige Noten benutzt, in der Zahnheilkunde dient es schon lange als Mittel gegen Zahnfleischentzündungen und -schmerzen. Weiterhin verwendet man die Wurzel z.B. in Wein eingelegt bei Verdauungsbeschwerden und als Kräftigungsmittel. Die Heilkraft der Pflanze wurde früher so hoch geschätzt, dass Hildegard von Bingen sie Benediktenwurz nannte.
Der Überlieferung nach sollte Nelkenwurz im Viehfutter die Tiere vor allen Krankheiten schützen und die Milchbildung fördern. Der alte Name „Mannskraftwurzel“ lässt darauf schließen, dass manche erhofften, mit einem Amulett aus Nelkenwurz die Liebe der Frauen besser gewinnen zu können.
Bevor der Gerbstoffgehalt in der Pflanze zu hoch wird, kann man im Frühling die jungen Blätter als Gewürz für Salate und Gemüse verwenden, besser noch ist die Verwendung der Wurzel. Diese aromatisiert nicht nur Gemüsesuppen und Kräuterlimonaden, sondern auch Desserts und Kaffee. Probieren Sie doch mal einen einfachen Punsch: Dazu säubern Sie die Wurzel gut mit einer Bürste, schneiden sie in Stücke und lassen sie zusammen mit unbehandelter Orangenschale und etwas Zimtstange ca. 20 Minuten köcheln.
Oktober 09: Schlehe (Prunus spinosa)
Blau leuchten uns nun die Früchte aus den Hecken entgegen, die schon
Ötzi als Wegproviant in seinen Taschen hatte. Vielleicht sollten wir mit dem Sammeln noch etwas warten, bis der Frost kommt – wenn er denn kommt. Als Alternative gibt es zum Glück Gefrierschränke, so dass wir aus den so bitteren und gerbstoffhaltigen Schlehen doch noch leckere Früchte erhalten.
Der Schwarzdorn steht zwischen schwarz und weiß, zwischen gut und böse. Im Winter sieht man nur das schwarze, sparrige Geäst und kann sich nicht vorstellen, dass bald im Frühjahr alles schleierartig übersät ist mit weißen Blüten. Im Mittelalter galt die Schlehe als Zeichen von Unkeuschheit, unbeliebten Mädchen überreichte man ihre Zweige. Auf der anderen Seite ehrte man die Schlehe als Glücksbringer, sie sollte Hexen und Dämonen abwehren und die Bauern hängten Zweige über die Stalltüren, um ihr Vieh zu schützen.
Durch das weitreichende Wurzelwerk ist sie für Hangbefestigungen gut geeignet, aber achten Sie auf die Wurzelausschläge. Schlehdorn nimmt gerne überhand, diese Hecken erforden pflegerische Maßnahmen. Für die Tierwelt ist der Schwarzdorn eine sehr wichtige Pflanze, denn er ist ein gutes Vogelschutzgehölz und bietet nicht nur vielen Schmetterlingsraupen und anderen nützlichen oder sogar geschützten Insekten einen geschützten Lebensraum und Nahrungsquelle.
Für uns Menschen hat die Schlehe auch einen Nutzen: aus den Früchten lässt sich leckere Marmelade herstellen, diese wirkt appetitanregend und kann einen leichten Anreiz geben, morgens nicht mit leerem Magen aus dem Haus zu gehen. Sehr beliebt ist auch der Schlehen-Likör: Dazu zerstoßen Sie eine kleine Handvoll der Schlehenkerne, die ein leichtes Bittermandelaroma liefern, und geben diese mit den Früchten in eine große Flasche. Nach Belieben fügen Sie Korn oder Wodka hinzu und die entsprechende Menge Zucker sowie Gewürze wie Zimt, Nelken, Orangenschale u.ä. und lassen dies reifen bis zur Weihnachtszeit.
September 09: Franzosenkraut (Galinsoga ciliata)
Un-Kräuter haben oft eine Schönheit, die man erst bei genauerem
Hinschauen entdeckt. Die Blüten sind meistens kleiner und unscheinbarer, doch wenn man sich erst mal niederbeugt und die Pflanze genauer betrachtet, fühlt man sich vielleicht in die Zeit zurückversetzt, als man noch als Kind die Wiesen durchstreifte und die Pflanzen dort nur als schön betrachtete.
Das Franzosenkraut, um das es heute geht, gehört zu diesen Pflanzen. Betrachten Sie die Blüten doch mal aus der Nähe. Manche kennen es als Knopfkraut; es heißt, dass die Knöpfe der französischen Soldaten eine ähnliche Form hatten wie die Blüten.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Franzosenkraut in Europa in den botanischen Gärten angepflanzt und startete von dort aus seine Reise bis in unsere Gärten, wo es allgemein als Unkraut verhasst ist. Seine Verbreitung in Deutschland fällt in etwa in die Zeit wie die Feldzüge Napoleons, daher rührt auch der Name Franzosenkraut.
Es gehört zu den sogenannten Neophyten, das heißt, es ist keine heimische Pflkanze, sondern es stammt ursprünglich aus Südamerika. Schon bei geringem Frost erfrieren die Pflanzen, aber die Samen überdauern den Winter. Ohne Samen ergibt Franzosenkraut einen wertvollen Kompost und es eignet sich als Viehfutter.
Am weitesten verbreitet ist bei uns das behaarte Knopfkraut, man findet aber auch das kleinblütige Knopfkraut. Eine Zeit lang wurde es sogar angebaut, denn die Pflanze eignet sich gut zum Essen. Der Geschmack ist salatartig mild und es kann zu Gemüse gekocht gekocht werden.In Kolumbien ist es traditionelle Würze für eine Hühnersuppe.
Franzosenkraut hat mit den höchsten Eisengehalt unter den Pflanzen und auch fast so viel Calcium wie die Brennnessel, was es zu einem sehr gesunden Gemüse macht.
Probieren Sie doch mal Franzosenkraut als Pastasauce: Dazu würfeln Sie zwei Frühlingszwiebel und schwitzen sie in etwas Olivenöl an. Hacken Sie 500 g Franzosenkraut und geben dies mit 100 g gewürfelten, getrockneten Tomaten dazu. Gewürzt werden kann mit einer Zehe Knoblauch, Salz, Pfeffer und Thymian und mit einem Becher Sahne wird abgelöscht.
August 09: Schafgarbe (Achillea millefolium)
Ziemlich bitter schmeckt uns die heutige Pflanze, aber das ist auch gut
so. DieBitterstoffe, die in allen Korbblütlern enthalten sind, regen bereits im Mund den Speichelfluß an und später auch die Magensaftsekretion. Das hilft, besser zu verdauen und so wird die Schafgarbe gerne Bitterlikören zugesetzt. Auch wenn sie eine ausgesprochene Frauenpflanze ist, findet man die Bezeichnung Soldatenkraut, denn die blutstillende Wirkung innerlich und äußerlich ist schon lange bekannt. Sie erhielt ihren Namen von Achilles, der von seiner Mutter in ein Bad getaucht wurde, das ihn unsterblich machen sollte. Dabei hielt sie ihn an der Ferse, an der er fortan verletzlich blieb. Weiterhin ist sie auch als „Heil aller Schäden“ bekannt. Sie hilft ebenso bei Regelstörungen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und bei Darm- und Gallebeschwerden. Selbst Schafe scheinen dies instinktiv zu wissen, sie fressen sie gerne, und der Zusatz –garbe stammt von garwe und bedeutet heilen, sie heilt also (nicht nur) die Schafe.
Als Bestandteil des Kräuterbüschels, manche sagen auch „Werzberre“, soll die Pflanze vor allem Negativen schützen. Früher sagte man solch aromatischen Kräutern eine Wirkung gegen die Pest nach.
Im Garten nutzt die Schafgarbe anderen Pflanzen, sie verleiht ihren Nachbarn größere Widerstandskraft und verstärkt den Duft. Wenige Blätter im Kompost fördern die Zersetzung. Auf Wiesen finden wir meist die weißblühende, mit etwas Glück auch eine rosa blühende Schafgarbe. In gezüchteter Form gibt es alle Farbvarianten zwischen gelb und rot.
Achten Sie bei der kulinarischen Verwendung darauf, nicht zu viel essen. Überdosierungen können zu Lichtempfindlichkeit, Kopfschmerzen und Schwindel führen. Bei einer Korbblütlerallergie sollte ganz darauf verzichtet werden.
Traditionell ist ihre Verwendung in der Gründonnerstagssuppe, der neun Kräuter zugesetzt werden. Die jungen Blätter schmecken lecker würzig in Kräuterbutter, -salz und Salaten, es gibt sie den ganzen Sommer über, nachdem die Wiesen gemäht wurden. Die Blüten eignen sich zur Aromatisierung von Essig, Likör und Bowle. Als Gewürz verbessert sie die Verdaulichkeit von fettem Fleisch und findet auch Einsatz bei Wurstwaren. Früher gab man statt des Hopfens Schafgarbe zum Würzen in Bier, es verlängerte ebenfalls die Haltbarkeit.
Juli 09: Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium)
Diese Pflanze ist Hasen-Besitzern oft als „Hasenbrot“ bekannt, sie dient
gut als Viehfutter. Sie ist nicht dem Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) gleichzusetzen, die aus dem Kaukasus hier eingeführt wurde und der Zierde oder auch als Bienenweide dienen sollte. Der Wiesenbärenklau hat behaarte Blätter, die der Herkulesstaude sind glatt, laufen viel spitzer zu und sind im Vergleich viel größer. Diese dürfen auf keinen Fall berührt werden, da die enthaltenen Furocumarine sehr lichtsensibilisierend wirken und so richtiggehende Verbrennungen auslösen können. Herkulesstauden sollten fachgerecht und mit spezieller Schutzkleidung entfernt werden.
Im Vergleich dazu ist der Wiesenbärenklau ungefährlich. Er enthält zwar auch eine gewisse Menge an Furocumarinen, dies ist aber bei allen Doldenblütlern, zu denen z.B. Dill, Liebstöckel oder Petersilie gehören, der Fall. Empfindliche Menschen können mit einer sogenannten Wiesendermatitis reagieren, was sich in kleinen roten Bläschen auf der Haut äußert, wenn man mit nackten Beinen bei Sonnenschein durch die Wiese läuft.
Er bekam seinen lateinischen Namen Heracleum wohl aufgrund seines starken Wuchses und seiner stattlichen Größe. Läßt man ihn wachsen, wird er bestimmt 1,50 m. Herakles, der griechische Gott, hatte übermenschliche Kräfte. Imposant ist auch der Bär, mit dessen Pfotenabdruck die Blätter des Wiesenbärenklaus verglichen werden und so wird er auch Bärentatze genannt.
Die Silbe –bär- taucht oft in Zusammenhang mit ge-bär-en auf. In alten Schriften findet man den Hinweis, der Bärenklau sei gut „für ehelich wercken“, er stärkt also wohl die Sexualorgane, man sagt ihm auch eine regulierende Wirkung auf die Menstruation nach. In der Volksmedizin wird er selten verwendet bei Verdauungsbeschwerden und nervösen Leiden.
Interessanter ist auf jeden Fall sein kulinarischer Nutzen. Die jungen Blätter sind ganz lecker als Gemüse, die Stiele sind geschält eine Delikatesse, die selbst bei einem Spaziergang roh als Erfrischung dienen können. Die Knospen verwendet man als Brokkoli-Ersatz mit leichtem Zitrusaroma und die grünen Früchte würzen Liköre und Desserts. Es lohnt sich also, aufmerksam auf Wiesen, an Hecken und Wegrändern zu laufen in der Hoffnung, dass nicht alles abgemäht wurde.
Juni 09: Rot- und Weißklee (Trifolium pratense und repens)
Haben Sie schon mal durch Zufall ein vierblättriges Kleeblatt gefunden?
Dann gehören Sie sicher zu den Glückskindern. Meistens finden wir, selbst wenn wir suchen, nur dreiblättrige. Die Zahl drei ist eine uralte magische Zahl, die bis hin zur christlichen Dreifaltigkeit eine besondere Rolle spielt. Deshalb findet man auf sakralen Darstellungen häufig Kleeblätter in der Nähe von Kreuzigungsszenen und auch in Kirchenfenstern.
Aus volksheilkundlicher Sicht ist Rotklee in der letzten Zeit als Hormon-unterstützende Pflanze z.B. für die Wechseljahre bekannt geworden, denn er enthält viele Phytoöstrogene. Schon länger weiß man über die Wirkung bei Husten und Leberbeschwerden.
Klee ist eine der Pflanzen, mit denen schon Kinder häufig in Berührung kommen, denn der weiße kriechende ist besonders trittresistent und verbreitet sich gerne im Rasen. Wem dies ein Dorn im Auge ist, dem hilft vielleicht der Hinweis, dass die Pflanze zur Familie der Schmetterlingsblütler gehört, die die Eigenschaft haben, mit Hilfe von bestimmten Bakterien Stickstoff im Boden zu binden. Dieser dient wiederum dazu, den Boden fruchtbarer zu machen, ohne dass es eine Überdüngung gibt. Bekannt ist es, Pflanzen wie Bohnen und Luzerne, die auch Schmetterlingsblütler sind, als Zwischenfrucht oder in der Nachbarschaft von Starkzehrern wie Kohl zu säen.
Nicht zu verachten ist die Bedeutung als Futterpflanze für Nutztiere, denn Klee ist sehr eiweißhaltig. Besonders der Weißklee ist wohlschmeckend und leicht verdaulich.
Probieren Sie mal früh morgens die kleinen Blüten, sie sind jetzt noch süß. Wenn die Bienen und Hummeln kommen, angelockt von dem süßen Duft, bleibt nicht mehr viel vom Nektar übrig. Die Blüten können Sie in Obstsalate und Getränke geben, sie sind eine schöne essbare Dekoration und die Blätter ergänzen Salate und Gemüse.
Mai 09: Gundermann (Glechoma hederaceae)
Passend zur Walpurgisnacht geht es heute um ein weiteres Un-Kraut
aus dem Garten.Zur Zeit trägt es in den Blattachsen bläulich-violette Lippenblüten, die Blätter stehen sich kreuzweise gegenüber. Der Stiel ist viereckig und zur Blütezeit wächst die Pflanze nach oben, danach kriecht sie rankend über den Boden. Am liebsten wächst sie unter Hecken auf feuchten lehmigen Böden. Sie finden den Gundermann auch in panaschierter Form als Zierpflanze in Gärtnereien.
„Wenn Sie sich in der Walpurgisnacht einen Kranz aus dem Gundermann auf den Kopf setzen, können Sie die Hexen durch die Lüfte reiten sehen.“ Das auch Gundelrebe genannte Kraut ist seit langer Zeit eine Pflanze, mit der viel Mystisches verbunden wurde. Sie war schon bei den Kelten bekannt und dem Donnergott geweiht. Um das Haus vor Gewitter zu schützen, hängte man einen Kranz unter das Dach. Diesen legte man auch Kühen beim Melken um die Euter, um die Milch vor Verhexung zu schützen. Allerdings ist sie weniger als Tierfutter geeignet, für Pferde ist sie sogar giftig.
Als Heilpflanze hatte die Gundelrebe im Mittelalter ihren Höhepunkt. Das Wort „Gund“ ist eine alte Bezeichnung für Eiter, außerdem soll die Pflanze in der Volksheilkunde helfen bei Appetitlosigkeit, Durchfällen, Husten, Entzündungen usw. und äußerlich angewandt zur Wundbehandlung.
Daher stammt auch die Bezeichnung der „Soldatenpetersilie“, denn Gundermann ist nicht nur als Heil- und Zauberpflanze bekannt, sondern auch als Gewürzpflanze. Die darin enthaltenen Gerbstoffe nutzte man vor langer Zeit, um Bier haltbarer zu machen. Den starken Geruch des Gundermanns, den Sie vielleicht aus Ihrem Garten kennen, bewirken die ätherischen Öle, die sich vor allem bei sonnigem Wetter bemerkbar machen. Am besten passt er zu Kartoffelgerichten oder in Kräutersalz, er ist auch ein Bestandteil der Gründonnerstagssuppe. Wenn sie das leicht minzähnliche Aroma mögen, ist auch eine Verwendung in Süßspeisen denkbar.
Probieren Sie doch mal ein Bananen-Gundermann-Eis: Dazu pürieren Sie 2 reife Bananen und 5 g Gundermannblättchen mit 300 g Joghurt und dem Saft einer Zitrone, nach Belieben süßen Sie mit etwas Honig. Darunter heben Sie 200 ml geschlagene Sahne und frieren dies in Portionen ein. Eine schöne essbare Dekoration dazu sind etwas größere Gundermannblätter, die Sie mit geschmolzener Kuvertüre bestreichen und abkühlen lassen.
April 09: Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)
Der Frühling ist im Anmarsch und die Lust auf frische Kräuter wächst.
Bärlauch ist in aller Munde, die heute vorgestellte Pflanze führt bis jetzt leider noch ein Schattendasein. Die Knoblauchsrauke, auch Knoblauchhederich genannt, kann es aber durchaus mit dem Bärlauch aufnehmen und ist länger verfügbar. Sie wächst gerne an feuchten Stellen unter Hecken und an Wegrändern im Wald und ist eine wichtige Futterpflanze z.B. für den Aurorafalter. Beim Zerreiben der Blätter entströmt ein knoblauchähnlicher Duft.
Wie bei Kreuzblütlern häufiger der Fall, verändert sich die Blattform nach oben hin; die unteren Rosettenblätter sind rundlich-nierenförmig, nach oben werden sie immer kleiner und spitzer, die kleinen Blüten sind weiß und bestehen aus 4 Blütenblättern.
Früher, als Salz noch sehr kostbar war, galt die Knoblauchsrauke als „Salz der Suppe“ ärmerer Menschen und wurde als Gemüse angepflanzt, in England ist sie noch heute sehr beliebt.
Die schwarzen Samen, die im Sommer in den Schoten reifen, lassen sich als Senfkorn-Ersatz verwenden, denn Senf und Knoblauchsrauke gehören zur selben Pflanzenfamilie. Die Hauptinhaltsstoffe der Pflanze sind ätherische Öle und Senfölglykoside.
Als Heilpflanze hatte sie noch keine große Bedeutung. Bei leichten Atemwegsbeschwerden, Gicht und Rheuma ist eine Verwendung möglich, äußerlich angewandt auch bei Ekzemen, diversen Entzündungen und bei Stichen. Die Wirkung der Knoblauchsrauke ist antiseptisch, harntreibend und wundheilend.
Das Kraut sollte möglichst frisch verwendet werden, da sich sonst die Inhaltsstoffe verflüchtigen, es passt sehr gut in Salate, Aufstriche, Pesto und zu Eierspeisen. Sehr gut schmecken die grünen Pfannkuchen: Dazu bereiten Sie für 4 Personen einen Pfannkuchenteig aus 4 Eiern, Mehl, Milch und wenig Salz, geben eine große Handvoll Knoblauchsrauke dazu und pürieren den Teig. Anschließend ausbacken. Schön macht es sich als kleine Vorspeise, wenn Sie auf die fertigen Pfannkuchen etwas Frischkäse streichen, sie zusammenrollen und quer in Stücke schneiden. Dazu ein Blattsalat.
März 09: Vogelmiere (Stellaria media)
Die auch als Hühnerdarm bezeichnete Vogelmiere wird oft als Un-kraut
bezeichnet, da sie sehr ausbreitungsfreudig ist und frisch bearbeitete Stellen im Garten schnell rasenartig bedeckt. Sie wächst und blüht das ganze Jahr hindurch und bringt so eine Unmenge an Nachwuchs hervor, was vielen Gärtnern ein Dorn im Auge ist. Selbst in milden Wintern kann die Vermehrung stattfinden.
Aber auch dieses Kraut hat einen hohen Nutzen und das gleich in mehrfacher Hinsicht.Um es einmal mit anderen Augen zu sehen: sie hält den Boden feucht und ist somit ein wertvoller Schutz und Mulchersatz in Gärten, aber z.B. auch in Weinbergen, und kann leichte Erosionen verhindern. Für Vögel ist sie ein beliebter und gesunder Snack, worauf der Name schon deutet.
Sebastian Kneipp hat die Vogelmiere in der Heilkunde bekannt gemacht. Aufgrund des hohen Gehaltes an Saponinen wirkt das Kraut als Tee genutzt schleimlösend und er soll rheumatische Beschwerden lindern. Die Pflanze kann äußerlich angewendet bei Hautproblemen helfen.
Interessant ist die Verwendung in der Küche. Achten Sie darauf, die Miere nicht mit dem meist rot, aber auch blau blühenden Ackergauchheil zu verwechseln. Vogelmiere hat eine leicht verdauungsfördernde Wirkung und liefert viele Vitamine und Mineralstoffe. Bereits 150 g können den Tagesbedarf an Vitamin C, Eisen und Kalium decken. Sie schmeckt nach jungem rohen Mais und kann einfach in diverse Salate gegeben werden. Eine Verwendung als Gemüse, z.B. mit Zwiebeln und Speck ist ebenfalls möglich. Oder Sie backen einmal grüne Brötchen: Pürieren Sie 4 Handvoll Kräuter (Vogelmiere, Giersch, Brennnessel, u.a.) mit etwas Milch und füllen Sie damit auf bis auf 300 ml. 1 Päckchen frische Hefe in der Kräutermilch auflösen, 750 g Mehl, 1 Tl Salz, etwas Zucker oder Honig und 150 g Butter hinzugeben und zu einem Teig verkneten. Abdecken und ruhen lassen. Danach formen Sie ihn zu Brötchen, die Sie wieder kurz gehen lassen und backen sie anschließend im 220° heißen Ofen ca. 20 Minuten.
Februar 09: Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)
Sobald der Schnee sich wieder zurückgezogen hat, erscheinen die
kleinengrünen glänzenden Blättchen des Scharbockskrautes teppichartig, vor allem an feuchten und dunklen Stellen, z.B. unter Hecken. Wenn Sie diese in ihrem Garten haben, dann freuen Sie sich darüber, denn diese Pflanze ist der erste Vitamin-C-Spender des Jahres.“ Scharbock“ ist ein altes Wort für „Skorbut“ und weist darauf hin, dass früher mit dieser Pflanze die Mangelernährung nach dem Winter behandelt wurde. Ernten Sie ein paar der Blätter für Ihren Salat, noch bevor die 8-12-strahligen gelben Blüten erscheinen, da die Pflanze dann aufgrund des steigenden Gehaltes an Protoanemonin nicht mehr gegessen werden sollte. Überdosierungen sind zu vermeiden.
Scharbockskraut ist ein Geophyt, d.h. wenn Bäume und Sträucher Blätter bekommen, wird es schattig für das Kraut und es zieht sich komplett in die Erde zurück bis zum nächsten Frühjahr.
Das „ficaria“ in der Gattungsbezeichnung leitet sich ab von „Ficus“ und bedeutet feigenähnlich. Es bezieht sich auf die Wurzelknollen, die so ähnlich aussehen und man glaubte früher, mit der “Feigwurz“ Warzen und Hämorrhoiden behandeln zu können.
Die Brutknöllchen, die zwischen den Blattachsen sitzen, sind sehr stärkereich. Diese, die Wurzelknollen und die Blütenknospen lassen sich einlegen wie Kapern.
Dazu waschen Sie die Knospen (Sie können auch mischen mit Gänseblümchen- oder Löwenzahnknospen), lassen sie abtropfen und legen sie über Nacht in Salz. Am nächsten Tag gut mit Wasser ausspülen und trocken tupfen. Nun zusammen mit gehackten Schalotten, Pfefferkörnern, Kräuteressig, einer Prise Zucker und Wasser aufkochen und noch heiß in Twist-off-Gläser füllen.
November 08: Berberitze (Berberis vulgaris)
Die Berberitze, die auch Sauerdorn oder Essigbeere genannt wird, ist als
Heckenpflanze sehr beliebt, denn sie trägt sehr spitze Dornen und schützt so vor Eindringlingen. Sie kommt verbreitet in Europa, Nordafrika, Teilen Amerikas und Asiens vor. Da die Berberitze allerdings auch Zwischenwirt eines Getreideschadpilzes ist, wurden ihre wilden Vorkommen in manchen Gegenden fast ausgerottet.
Vögel freuen sich sehr über die Früchte und sorgen für die Verbreitung. Sie finden in der Hecke ein ideales Versteck.
Rinde und Wurzel dienten früher als gelbes Färbemittel für Textilien, Leder und Holz, letzteres ist sehr hart und wird gerne zum Drechseln oder für Einlegearbeiten genutzt.
Der Sauerdorn enthält in allen Teilen außer den Früchten verschiedene Alkaloide, die die Pflanze ungenießbar machen. Vergiftungserscheinungen äußern sich durch Nasenbluten, Benommenheit und Atembeschwerden bis hin zum Atemstillstand.
Gleichzeitig ist die Berberitze aber auch seit der Antike als Heilpflanze bekannt und man kann Leber-, Niere und Gallebeschwerden, aber auch Rheumatismus und Verstopfung mit ihr behandeln, vor allem in homöopathischer Form.
Im Frühjahr trägt die Berberitze gelbe Blütentrauben mit starkem Geruch; die Früchte, die jetzt rot und reif sind, sind spindelförmig, schmecken sehr sauer und sind sehr vitaminreich. Am beliebtesten ist ihre Verwendung vor allem im Iran, wo ein traditionelles Reisgericht mit getrockneten Berberitzen gewürzt wird. Am besten lassen sie sich als Saft (ohne die Kerne) verwenden, aus dem man auch Marmelade, z.B. mit Birnen, herstellen und der als Ersatz für Zitronensaft dienen kann. Mit ihm läßt sich Appetitlosigkeit bekämpfen und er gilt sogar als Mittel gegen Schwangerschaftserbrechen.
Oktober 08: Die Hagebutte (Rosa canina)
Unter den Wildpflanzen gilt sie als Königin der Beeren, wobei die
Hagebutte – auch Hiffe genannt – botanisch gesehen zu den Sammelnussfrüchten gehört. Dieses Jahr ist ein Hagebuttenjahr und zur Zeit leuchten schon von weitem die stacheligen Sträucher.
Die Wildrosen sind die Urform der Edelrosen und werden als Unterlagen für ebendiese verwendet, da sie robuster sind. Gezüchtet werden Rosen schon seit Tausenden von Jahren, z.B. zur Parfumgewinnung, und sie galten immer schon als Symbol der Liebe, aber auch der Verehrung der Toten. So verwendete man für die Verbrennung von Leichnamen oft Rosenholz. Weiße Rosen gelten als Zeichen der Verschwiegenheit (sub rosa dictum); wenn die Römer Rosen an die Decken hängten, erfolgten geheime Gespräche. Auch Beichtstühle sind oft mit Rosen verziert.
Wildrosen sind Heckenpflanzen, diese dienten in früheren Zeiten dem Schutz vor Wildtieren, Wind und anderen Eindringlingen. Manchmal findet man an den Rosen rötliche Gebilde, die sogenannten Gallen, für deren Entstehung die Rosengallwespe verantwortlich ist. Sie dienen ihrer Fortpflanzung; im Inneren der Gallen gibt es verschieden Kammern, die von den Larven bewohnt werden. Sie werden auch Schlafäpfel genannt, denn unter das Kissen gelegt, sollten sie einen sicheren, beschützten Schlaf gewähren.
Mit Hagebuttentee können wir aktive Vorbeugung gegen Erkältungen betreiben, denn die Früchte haben den höchsten Vitamin-C-Gehalt unserer einheimischen Pflanzen. Weiterhin gibt es eine nachgewiesene Wirkung auf die Nebennierenrinde und damit auf die Hormonproduktion und die Fruchtsäuren und Pektine wirken leicht abführend.
Sammeln Sie doch mal auf Ihrem nächsten Spaziergang ein paar Hagebutten, die äußere Fruchtschale können Sie trocknen oder für Hagebuttenmark nutzen. Die Kerne selbst brauchen Sie nicht wegzuschmeißen, es ist viel Vanillin enthalten. Daraus können Sie einen leckeren Tee herstellen, der auch gegen Gicht und bei Nierensteinen angewendet werden könnte. Dazu setzen Sie am Abend die Kerne in kaltem Wasser an, lassen sie über Nacht stehen und kochen am nächsten Morgen den Tee, vergessen Sie aber nicht, vorher die Haare abzuwaschen, sie dienten den Kindern früher als Juckpulver.
September 08: Brennnessel (Urtica dioica)
Fast weltweit verbreitet findet man die Brennnessel auf stickstoffreichen
Böden. Als Pionierpflanze besiedelt sie freie Stellen recht schnell und wird von den meisten Gartenbesitzern bekämpft, da jeder schon mal schmerzhafte Erfahrungen mit ihr gemacht hat. Allerdings gilt es zu bedenken, dass es ca. 50 Schmetterlingsarten gibt, deren Raupen auf die Brennnessel als Futterpflanze angewiesen sind, so dass man ihr gerade in größeren Gärten ein Plätzchen gönnen könnte.
Aufgrund ihres hohen Stickstoffgehaltes eignet sie sich hervorragend, um eine Jauche herzustellen, die als Dünger genutzt wird; der Anteil an Kieselsäure wirkt stärkend gegen Fraßfeinde.
Auch für uns Menschen sollte die Brennnessel einen hohen Stellenwert einnehmen; Pfarrer Künzle meinte dazu, wenn die Brennnessel keine Brennhaare hätte, wäre sie aufgrund ihrer guten Eigenschaften schon längst ausgerottet.
Zu Recht wird sie als „Königin unter den Heilpflanzen“ bezeichnet, sie wirkt nicht nur harntreibend, schmerzstillend und entzündungshemmend und der
positive Effekt auf Prostatabeschwerden wurde nachgewiesen. Die Liste ihrer positiven Eigenschaften ist lang.
Brennnesselgemüse aus den jungen Blättern kennen bereits viele, gerade im Frühjahr kann man damit seine Vorräte mit Vitaminen und Mineralstoffen wieder auffüllen. Noch nicht so bekannt ist die Verwendung der Früchte, die jetzt reif werden. Ihnen wird nachgesagt, eine leistungssteigernde Wirkung zu haben, bereits der Dichter Ovid pries sie als Aphrodisiakum. Durch ihren hohen Gehalt an gesundem Öl, Vitamin E und auch Carotinoiden leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Ernährung. Mit ihrem nussigen Geschmack kann man sie frisch vom Strauch essen oder auch trocknen und z.B. über das Müsli geben oder als Panade nutzen. In Butter gebraten, leicht gesalzen und in essbare Blüten z.B. der Malve gefüllt ergeben sie eine leckere und gesunde Vorspeise.
In der Gattung der Weidenröschen, die zu den Nachtkerzengewächsen
gehört, gibt es verschiedene Arten, von denen z.B. das kleinblütige in unseren Gärten als Un-Kraut verbreitet ist. Eine besonders schöne Art ist das schmalblättrige Weidenröschen, das wir oft an Waldlichtungen und Kahlschlägen finden; in der Nachkriegszeit wuchs es als Pionierpflanze häufig auf den Trümmern. Daher stammt auch der Spitzname „Trümmerblümchen“ oder „Feuerbrand“. In Kanada ist es so bekannt, dass es sogar im Wappen des Yukon-Territoriums auftaucht.
Das schmalblättrige Weidenröschen ist eine Bienenweide, die angeblich einen besonders leckeren Honig damit herstellen.
In der Volksheilkunde wird der Aufguss vor allem des kleinblütigen, aber auch des schmalblättrigen Weidenröschens unterstützend genutzt bei Problemen mit der Blase, der Niere und der Prostata. Medizinisch gesehen ist die Wirkung allerdings nicht bewiesen. Als Ersatz für schwarzen Tee lässt es sich aber nutzen.
Auf jeden Fall gehört es in den Kräuterbüschel - mit seinem Meer an Blüten ist das schmalblättrige Weidenröschen dem heiligen Antonius, Patron des Feuers, gewidmet. So sollte es auch gegen das Antoniusfeuer helfen, eine Krankheit, die auf Verunreinigung des Getreides mit Mutterkorn zurückzuführen ist.
Kulinarisch kann man die Weidenröschen sehr gut nutzen, die Blüten als dekorative Beigaben für Salate bis hin zu Desserts, die jungen Blätter in den Salat oder die ältere Pflanze als Spinatersatz. Junge Sprossen haben einen spargelähnlichen Geschmack, die Blätter schmecken säuerlich und nussig mit einem leicht pfeffrigen Nachgeschmack.
Versuchen Sie doch mal einen „Sommerlichen Un-Kraut-Salat“: Geben Sie dazu einfach gemischte Blätter nach Belieben z.B. von Weidenröschen, Wiesenklee, Taubnessel, Giersch und Vogelmiere und nach Belieben einem Blattsalat in eine Schüssel und übergießen dies mit einem Dressing nach Geschmack. Garnieren Sie diesen Salat mit essbaren Blüten, z.B. von Weidenröschen, Klee, Malven, Kapuzinerkresse...
Juni 08: Giersch (Aegopodium podagraria)
Giersch – haben Sie ihn auch im Garten und sich schon maßlos darüber
geärgert? Von den meisten wird er gehasst, da er sich weit ausbreitet mit seinen unterirdischen Ausläufern. Um ihn loszuwerden müßte man diese alle ausgraben und entfernen, da sich auch aus kleinsten Bruchstücken wieder neue Pflanzen bilden. Oder Sie bedecken die Erde mindestens ein Jahr lang, um ihm das Sonnenlicht wegzunehmen. Oder Sie gehen mit harten Giften dran, um ihn zu zerstören. Aber macht das alles einen Sinn?
Eine Alternative ist, sich einfach mit seinem Feind zu verbünden. Giersch war schon bei den Römern als Gemüse und auch als Heilpflanze beliebt. In Klostergärten wurde er sogar angebaut.
Giersch ist unter anderem als Geißfuß oder Zipperleinskraut bekannt, wobei letzteres auf seine positive Wirkung bei Gicht und Rheuma hinweist. Dabei kann er innerlich als Tee eingenommen werden oder Sie legen zerquetschte Blätter als Wickel von außen auf. Der frische Pflanzensaft kann auch das Anschwellen direkt nach an einem Stich verhindern.
Sein Geschmack geht von möhren- / petersilien- bis hin zu sellerieartig. Junge Blätter passen gut in Salate oder feingehackt in den Kräuterquark. Ältere und damit festere Blätter kann man als Spinatersatz verwenden, z.B. in einer Lasagne. (Achten Sie beim Sammeln auf den dreieckigen Durchschnitt des Stieles, womit Sie eine Verwechslung mit anderen, eventuell giftigen, Vertretern der Doldenblütlerfamilie ausschließen.) Giersch war übrigens fester Bestandteil der traditionellen Gründonnerstagssuppe.
Probieren Sie doch mal eine selbst hergestellte erfrischende Kräuterlimonade: Dazu nehmen Sie 10-20 Gierschblätter und einen Zweig Pfefferminze und drücken diese in einem Liter Apfelsaft fest aus. Lassen Sie die Kräuter mindestens 3 Stunden ziehen und geben Sie nach dem Abseihen den Saft einer Zitrone hinzu. Anschließend einfach nach Belieben mit Mineralwasser auffüllen. Der Geschmack läßt sich auch mit vielen anderen Kräutern variieren.